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BeitragVerfasst: Sa Apr 23, 2016 11:17 pm 
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Seit letztem Jahr (08/15 :lol: ) kann ich nach fünf Jahren Abstinenz endlich wieder Motorrad fahren.

Was ich suchte, war ein guter Kompromiß aus der Handlichkeit meiner 51J-Maschinen und dem "Bumms" der FJ 1200, die mich etwa ein Jahr begleitet hat, bis mir der zu enge Kniewinkel gar zu sehr auf den Keks ging. Wer es mag, den lade ich zu einem Kurztrip auf dem Weg zu meiner "Zora II" ein.

Zora II? Ja - mein erstes Motorrad habe ich mir im Mai 2006 unmittelbar nach dem Führerschein gekauft, es war eine 51J in "apple red" mit silberfarbenem Dekor und motorradtechnisch Liebe auf den ersten Blick. Ein paar Bilder bei motoscout, ein Telefonat, eine Überweisung und am 22.05.2006 lieferte mir eine Spedition meine "Rote Zora" direkt aus Landshut kommend in Kappeln an der Schlei an. Batterie laden, los gings, etliche tausend - mit Verlaub - geile Kilometer. Geldmangel zwang mich 2007 zum Verkauf. Heute würde ich es nicht mehr tun, diese Entscheidung habe ich jahrelang bereut.

Von 2007 bis 2010 nannte ich sukzessive eine Handvoll 51J verschiedener Modelljahre (Frankenflitzer, Deifala, ...) und eine 1TX ("ganz" offen - 129 PS) mein eigen - nichts davon stellte mich wirklich zufrieden, sodaß ich das Motorradfahren einstellte und alles verkaufte. Ein paar Gründe mehr gab es zudem, die an dieser Stelle nichts verloren haben.

Im Januar 2013 entdeckte ich die XJ 900 für mich.
Ein kleiner Artikel fiel mir in die Hände, den ich mir Jahre zuvor ausgeschnitten hatte - über eine Probefahrt der XJ 900 N, die im Sauerland begann und in Hamburg endete. Das gefiel mir. Ich entdeckte die elegante Linienführung der "N" für mich.

Im Frühjahr 2013 fand ich eine "F" mit begonnenem Umbau zur "N", die wechselte für 400 Euro den Besitzer.
Bald stellte sich heraus, daß der Kauf einer weiteren Gebrauchten in gutem Zustand weniger kosten würde als der Wiederaufbau. Immerhin waren die Gabel und die gesamte Auspuffanlage in gutem Zustand, sein Geld war der künftige Teileträger damit wert. Das Geld für eine fahrbare 900er hatte ich allerdings nicht mehr, das floß in den Betrieb und in den Hundesport meiner damaligen Frau.

Die Trennung von meiner ExFrau im Herbst 2014 war der Wendepunkt, der in meinem Leben einiges wieder zum Positiven gestaltete. 2015 liefen mir mehrere "N" über den Weg, die meisten in fragwürdigem Zustand, wie die Kommunikation mit den Verkaufswilligen ergab. Der Wert der Maschinen angesichts der anstehenden Arbeiten und die verlangten Preise hatten keine Berührungspunkte. Schade, aber nicht zu ändern.

Im August 2015 durchfuhr mich ein Blitzschlag, als ich wieder im Internet stöberte. Meine "Rote Zora" in der 900er "N"-Version. Rot, nur das Dekor crémeweiß statt silberfarben.
Da war das Gefühl, das ich seit meiner "Zora" vermißt hatte. Endlich.
Standort in Berlin, noch zu haben. Ein Telefonat mit dem Verkäufer.
Binnen von Stunden hatte ich die Fahrkarte nach Berlin, eine Übungsstunde bei einer Fahrschule, einen neuen Tankrucksack und das Geld.

Zwei Tage später nahm ich an einem Samstagmorgen im August den Postbus von Nürnberg nach Berlin, um zwei Uhr ging es los. Schlaf hatte ich bis dahin seit Dienstschluß am Freitag keinen gefunden. In der Garage Platz schaffen, Tankrucksack mit Werkzeug packen, mit dem ÖPNV nach Hause, Moppedklamotten packen (Begrenzung der Gepäckstücke auf zwei statt eines wegen Buchung über den ADAC), eine Stunde vergebens hinlegen, waschen, anziehen und mit den Öffentlichen nach Nürnberg zum Flughafen.

Neun Stunden später und immer noch ohne Schlaf im überhitzten Bus (knapp 30°C - nachts und trotz Klimaanlage) war der Kaufvertrag unterschrieben, nur noch 450 km über BAB nach Hause.
Zwei Tage später dann eine OP, so daß ich erst Ende September wieder fahren konnte. Insgesamt 4.000 Kilometer konnte ich mit ihr Erfahrung sammeln.

Erstes Fazit:
Das Fahren macht Spaß. Nicht der Durchzug, den ich von einer 900er erwartet habe, aber annehmbar.
Die Sitzposition ist nicht optimal - im Gegensatz zur 51J bekomme ich keinen vernünftigen Knieschluß hin. Kurvenhatz und Gixxer versägen geht mit der 51J daher deutlich besser, aber im Bereich bis zu 60 km/h ist die 58L doch noch recht wendig.

Arbeitsliste Stand Dezember 2015:
- Die Bremsen (innenbelüftet) werden aufgebraucht, dann kommen bessere hin.
- Die Hupen passen optisch gut, sind aber zu leise. Weg damit.
- Die Vergaser müssen gereinigt und vernünftig eingestellt werden. Vibrationen sind zu erwarten, aber nicht in diesen Ausmaßen.
- Warum, zum Teufel, kann ich immer nur 16 Liter aus dem Tank verbrauchen, bis die Reserve leer läuft? Sechs Liter nicht nutzbares Tankvolumen?!? Das glaube ich nicht. Also Benzinfilter im Tank reinigen.
- Am Rahmen ist mal Batteriesäure herabgelaufen. Also Lack runter, und den ganzen Rost darunter entfernen.
- Neue Reifen. Die Avon bauen zuwenig Grip bei niedrigen Temperaturen auf. Die Fahrt am Morgen des 12. Oktober dauerte 90 Sekunden, dann lag die Maschine auf der Seite. Zum Glück lag der Endtopf auf meinem Bein, lieber blaue Flecken hier als Kratzer dort.
- Kurbelwellenschachtdeckel links vom Teileträger transplantieren, neue Lenkerendgewichte, neuen Scheinwerfer und Scheinwerferhalter montieren - siehe Gripverhalten der Reifen bei Kälte. :evil:
- Die Blinker müssen weg. Im Sonnenschein sieht die keiner. Außerdem ist die Hälfte der Blinker eh beschädigt - siehe oben.
- Bremsflüssigkeit wechseln.
- Alle Öle wechseln.
- Gabel und Federbeine sind noch akzeptabel, aber da geht sicher noch etwas. Franz Racing könnte eine Anlaufstelle sein.
- Risse an den Verkleidungsteilen kleben.
- Kabelage im Cockpit überarbeiten. Die Tachometerbeleuchtung funktioniert nach eigenem Ermessen.
- Viele Kratzer im Lack, die Aufkleber blättern ab.
- Die Auspuffanlage ist in gutem Zustand, verträgt aber Rostbehandlung.

Über den Winter hat sich einiges getan.
- Die Hupen haben lauteren Exemplaren aus dem Zubehör weichen müssen. Die sitzen jetzt über je ein Halteblech für Motorschutzbügel an den oberen Klemmschrauben der Gabel, und laufen über Relais. Warum funktioniert mein Hupenknopf auch bei abgezogenem Zündschlüssel? Sollte die Hupensteuerung über Dauerplus am Zündschloß gehen? Das muß ich noch untersuchen. Ausreichend laut sind die Biester jedenfalls auch ohne Kompressor.

- Die Vergaser sind gereinigt und gewartet für einen fairen Kurs aus Hamburg zurückgekommen. Vielen Dank, Gerhard, dafür. Nach der Einstellung und Synchronisierung läuft Zora wieder einwandfrei. Mal sehen, wie sich der Spritverbrauch einpendelt. Der Durchzug liegt immer noch unter meinen Erwartungen, aber die massiven Vibrationen bei niedrigeren bis mittleren Drehzahlen sind endlich passé.

- Der Rahmen hat an den verätzten Stellen bereitwillig Farbe hergegeben. Als Notfallmaßnahme habe ich dort den Rost entfernt und den Rahmen mit Sprühzink überzogen. Die vernünftige Lösung wäre eine vollständige Zerlegung mit Komplettentrostung, Grundierung und Neulackierung.

- Als Reifen habe ich jetzt die Dunlop RoadSmart. Gerade bei Kälte und leichter Nässe ein Riesenunterschied zu den Heißwetterreifen von Avon. Einen Kurbelwellenschachtdeckel, dieses Mal rechts, und den Bremshebel hat mich die Trennschicht beim Verlassen einer Tankstelle gekostet.
Seitdem aber kleben die Dinger ziemlich gut. Ich fange wieder an, Vertrauen in die Maschine zu entwickeln. Inzwischen habe ich rund 350 Kilometer seit dem Wechsel runter.

- Scheinwerfer (neu) und Scheinwerferhalter (zurechtgedengelt) sorgen in Verbindung mit Abblendlicht über Relais mit dickerem Kabelquerschnitt für gute nächtliche Lichtleistung.

- Vier helle LED-Blinker sorgen auch bei tiefstehender Sonne für Klarheit, wohin ich abbiegen will. Hinten links ist aber irgendein Kabelbruch im Spiel. Da muß ich ran.
Am geschicktesten ist vermutlich eh eine komplette Neuverkabelung.

- Risse an den Verkleidungsteilen sind geklebt. Auch der zerbrochene Frontfender, wo sich im Winter der in der Garage gelagerte Fahrradträger vom Auto selbständig gemacht hat, ist geflickt.

- Koffer und Topcase sind günstig erstanden.

- Ölwechsel reicht im Winter. Ich will da die Elektrik neu legen und einiges an Konservierung betreiben, da bietet sich eine Teilzerlegung und Reinigung von Ölwanne und Kardan an.

Besonderen Dank richte ich an dieser Stelle nach Hamburg an Gerhard, der mir nicht nur die Vergaserbank instandgesetzt, sondern auch etliche Tips in ebensovielen PN gegeben hat. Klasse. Nicht alles habe ich sofort umgesetzt, aber sobald ich eine Garage mit Strom habe, zu der ich nicht erst eine Stunde mit dem ÖPNV unterwegs bin, folgt es nach und nach.

Zwischenergebnis April 2016:
Die "N" ist eine verdammt gute Langstrecken - und Tourenmaschine. Sie erfüllt nicht alle meine Bedürfnisse, hat sich aber einen festen Platz in meinem Herzen erobert.
Aufgrund des nicht optimalen Knieschlusses am Tank und der fehlenden Wendigkeit bei höheren Geschwindigkeiten wird mir innerhalb der nächsten Jahre noch zusätzlich eine 51J ins Haus kommen. Die wird entblättert und ist dann mein Kurvenräuber, während "Zora II" dann das Fahrzeug für Urlaub und Wochenendtrips wird.

Servus,

Holger

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Quidquid agis, prudenter agas et respice finem!


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BeitragVerfasst: So Apr 24, 2016 9:17 am 
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Beiträge: 1930
Wohnort: 3-Zi-Wohnung,Keller-Flur-Boden
Fehlende Wendigkeit.... find´ich ganz und gar nicht.
Mindestens BT45 drauf und du wieselst um die Ecken.
Da ist mehr Reserve drin trotz des Gewichtes) als man denkt.
Rastenkontakt hatte ich auch schon öfter.
:kumaxx:

_________________
Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.
XJ900(4BB),XJ700X(watercooled-20Ventil), SMC250 Stinger, Kallio 50er Roller, und andere Fahrzeuge :-)


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